Be Closer
Alle RatgeberEin Elternteil und ein Kind sitzen auf dem Sofa und schauen laechelnd gemeinsam auf ein HandyKids & Teens

Der erste Klassenchat deines Kindes: ein Ratgeber fuer Eltern

Portrait of Marta Osei, who writes the Kids & Teens guides for Be CloserMarta Osei 10 Min. Lesezeit

Der Klassenchat ist der erste soziale Raum deines Kindes ohne Aufsicht, also begleite ihn als Faehigkeit, statt ihn als Gefahr zu sperren. Bring zuerst drei Regeln bei: nichts schreiben, was du der Person nicht ins Gesicht sagen wuerdest, kein Foto eines anderen Kindes ohne Nachfrage posten und lieber still stummschalten als laut austreten. Schalte Benachrichtigungen ueber Nacht aus, vereinbart, was dein Kind zu dir bringt, und greif selbst nur ein, wenn etwas wiederholt, gezielt oder ernst ist.

Mein Sohn wurde an einem Dienstagnachmittag in den Chat der 5b aufgenommen, von einem Jungen, mit dem er vielleicht viermal gesprochen hatte. Innerhalb von zwei Stunden kamen einundneunzig Nachrichten, drei Streits, eine Umfrage ueber eine Lehrerin und ein Video von einem Hund, auf das sich alle als das Beste einigten, was je passiert ist. Er sass auf dem Sofa mit diesem ganz bestimmten gebannten Blick eines Kindes, das gerade entdeckt, dass andere Menschen auch dann existieren, wenn er nicht im Raum ist.

Ich fuehlte zwei Dinge gleichzeitig, und ich vermute, dir wird es aehnlich gehen. Das erste war Freude, denn er war dabei, und mit zehn oder elf dabei zu sein ist keine Kleinigkeit. Das zweite war ein leises Unbehagen ueber all die Arten, wie ein Chat mit siebenundzwanzig Kindern und keinem einzigen Erwachsenen schiefgehen kann. Dazu kam die sehr deutsche Frage, die an jedem Elternabend auftaucht: Was passiert eigentlich mit den Telefonnummern, Fotos und Nachrichten all dieser Kinder, und wer hat da eigentlich zugestimmt?

Beide Gefuehle waren richtig. Was ich seitdem gelernt habe, mit zwei Kindern und mehr Klassenchats, als mir lieb ist: Wie es ausgeht, haengt fast voellig davon ab, was im ersten Monat vermittelt wird. Nicht davon, was verboten wird. Davon, was vermittelt wird. Hier ist die Version, die ich mir an diesem Dienstag gewuenscht haette.

Warum der Klassenchat wichtiger ist, als er aussieht

Es ist verlockend, den Klassenchat als Rauschen abzutun, und das meiste darin ist tatsaechlich Rauschen. Aber ein grosser Teil des sozialen Lebens eines Schuljahres findet heute dort statt, und ein Kind, das nicht dabei ist, verpasst Informationen, die alle anderen haben: wer am Samstag auf den Bolzplatz geht, was die Hausaufgabe wirklich war, welcher Witz gerade in aller Munde ist.

Nicht im Chat zu sein hat echte soziale Kosten, und so zu tun, als waere es anders, hilft deinem Kind nicht. Das ist der ehrliche Ausgangspunkt fuer jedes Gespraech darueber. Die Frage ist selten ob, sondern fast immer wie.

Viele Schulen und Elternvertretungen in Deutschland ringen mit dem Thema, gerade wegen des Datenschutzes. Manche Klassen weichen auf datensparsamere Messenger aus, manche Schulen haben eigene Regeln zur Handynutzung auf dem Gelaende, und nicht selten existieren am Ende trotzdem zwei Chats nebeneinander. Es lohnt sich, beim Elternabend zu fragen, was bei euch gilt, und die Hausordnung der Schule einmal wirklich zu lesen. Deine Haltung dazu muss nicht perfekt sein, sie sollte nur fuer dein Kind nachvollziehbar sein.

Der Klassenchat ist ausserdem der erste Ort, an dem Kinder Dinge lernen, die sich abstrakt schwer erklaeren lassen: dass geschriebene Worte keinen Tonfall haben, dass eine Nachricht von neun Uhr abends am Morgen noch da ist und dass ein Screenshot fuer immer existiert. Das mit zehn oder elf zu lernen, unter Mitschuelern, deren Eltern du anrufen kannst, ist so sanft, wie es nur geht.

Ein Klassenchat ist eine Probe fuer den Rest des Internets, in einem Raum, in dem du noch alle Eltern kennst.

Hat dein Kind noch kein Handy und ist das alles noch Theorie, kommt ist mein Kind bereit fuer das erste Handy zuerst. Hast du gerade eins fuer das neue Schuljahr uebergeben, deckt Handy des Kindes fuer das neue Schuljahr einrichten die Einstellungen ab, bevor die Chats eintrudeln.

Die drei Regeln, die vor allem anderen kommen

Du kannst einem Kind fuenfzehn Regeln geben und es merkt sich keine, oder drei und es merkt sich alle drei. Ich habe beides ausprobiert. Diese drei decken das meiste ab, was tatsaechlich schiefgeht.

  1. 1Schreib nichts, was du der Person nicht ins Gesicht sagen wuerdest, waehrend ihre Mutter danebensteht. Ein grober Test, und er funktioniert, weil Kinder genau diese Szene hervorragend einschaetzen koennen, auch wenn sie Tonfall im Text noch gar nicht lesen.
  2. 2Poste nie ein Foto oder Video eines anderen Kindes, ohne vorher zu fragen. Das ist die Regel, die am oeftesten gebrochen wird und den laengsten Schaden anrichtet, und es lohnt sich, hier fest zu bleiben, auch wenn das Foto schmeichelhaft ist. Das Recht am eigenen Bild gilt auch fuer Zehnjaehrige.
  3. 3Wenn ein Chat dich ungluecklich macht, schalte ihn still stumm, statt laut auszutreten. Mit einer Abschiedsnachricht zu gehen ist ein oeffentlicher Akt, der nach Antwort verlangt. Stummschalten ist unsichtbar und bringt dieselbe Ruhe.

Ueber die drei hinaus gibt es eine kurze Liste fuer die Kategorie nie schriftlich, und die lohnt es sich laut auszusprechen, statt sie fuer selbstverstaendlich zu halten. Keine Wohnadressen. Keine Telefonnummern, auch nicht die eigene, in einem Chat mit siebenundzwanzig Leuten. Keine Fotos aus Kinderzimmern, Badezimmern oder Umkleiden, weder von sich noch von anderen. Nichts ueber eine Lehrkraft, das sie nicht lesen sollte, denn irgendwann tut sie es.

Drei Saetze, die ihr laut ueben solltet

  • Bei einem Foto: Kannst du das loeschen, ich mag das nicht. Klar gesagt, ohne Entschuldigung, und Kinder muessen einen Erwachsenen das einmal in diesem Ton sagen hoeren, bevor sie es selbst koennen.
  • Wenn alle auf jemanden losgehen: Jetzt reicht es. Drei Worte ohne Diskussion, viel leichter abzuschicken als ein Absatz.
  • Wenn nach Privatem gefragt wird: Das schreibe ich nicht in einen Gruppenchat. Ein vollstaendiger Satz, der keine Begruendung braucht.

Hetze, Ausgrenzung und die zwei schwersten Abende

Zwei Situationen werden kommen, und beide tun deinem Kind mehr weh, als der Inhalt je rechtfertigt. Wenn du vorher weisst, wie sie aussehen, kannst du auf das Richtige reagieren.

Das Draufhauen ist, wenn sich eine Gruppe auf ein Kind stuerzt, meist wegen einer Kleinigkeit, und in elf Minuten zwanzig Leute mitmachen. Schlimm sind nicht die einzelnen Nachrichten, die meisten sind harmlos, sondern die Menge, das Tempo und dass dein Kind live zusehen kann, ohne es stoppen zu koennen. Ist dein Kind das Ziel, ist die erste Aufgabe nicht, es zu loesen. Die erste Aufgabe ist, dich daneben zu setzen.

  • Sag nicht, es soll das einfach ignorieren. Das kann es nicht, und der Rat zeigt ihm, dass du die Lage nicht verstehst. Damit schliesst du die Tuer fuer das naechste, was es dir erzaehlt haette.
  • Macht Screenshots, bevor etwas geloescht wird, ruhig und gemeinsam, damit es eine Spur gibt, falls sich ein Muster zeigt.
  • Schaltet den Chat fuer den Abend stumm. Er ist morgen noch da, und morgen ist er nur noch ein Viertel so laut.
  • Frag, was dein Kind moechte, bevor du entscheidest, was du tust. Manchmal will es, dass du eine Familie anrufst. Sehr oft will es einen Abend, an dem niemand darueber spricht.

Ausgegrenzt zu werden ist leiser und schwerer. Es gibt einen Chat, dein Kind ist nicht drin und weiss es, weil jemand ihn erwaehnt hat. Da gibt es nichts zu screenshotten und niemanden anzurufen. Was hilft, ist es ehrlich zu benennen statt kleinzureden: Das klingt furchtbar, und es ist nicht fair, und es ist kein Urteil ueber dich. Dann das Praktische: Mach es leicht, die Freunde zu treffen, die dein Kind wirklich sehen wollen, einzeln oder zu zweit, weg vom Bildschirm. Gruppenchats vergroessern soziale Distanz. Zwei Kinder und eine Radtour zum See verkleinern sie zuverlaessig.

Und es gibt die Situation, in der dein Kind selbst mitmacht, und es lohnt sich, jetzt darauf vorbereitet zu sein statt erst im Moment der Verteidigung. Was wirkt: Es liest den Verlauf am naechsten Morgen laut vor, in einer ruhigen Kueche. Das trifft weit tiefer als jedes eingezogene Handy.

Bring deine Familie heute näher zusammen.

Kostenloser Download. Deinen Kreis richtest du in unter einer Minute ein. Die Karte sieht nur, wen du dazu einlädst.

Benachrichtigungen, und warum das Handy um zehn Uhr abends nicht brummen sollte

Fast jedes Chatproblem, mit dem ich zu tun hatte, wurde nach neun Uhr abends schlimmer, und ein guter Teil davon haette es gar nicht gegeben, waere das Handy stumm und in einem anderen Zimmer gewesen. Das ist die wirkungsvollste Aenderung ueberhaupt, und dafuer muss dein Kind dir in sozialen Fragen in nichts zustimmen.

  • Schalte den Klassenchat dauerhaft stumm, nicht fuer acht Stunden. In einem Chat mit siebenundzwanzig Kindern gibt es nichts, was mit Ton ankommen muss. Dein Kind kann ihn oeffnen, wann es will.
  • Schalte die Vorschau auf dem Sperrbildschirm aus, damit keine gemeine Zeile um elf Uhr nachts auf dem Nachttisch aufleuchtet.
  • Lade das Handy ausserhalb des Kinderzimmers. Unbeliebt, und bei uns wirksamer als jede App Kontrolle, die ich probiert habe.
  • Richte eine Auszeit direkt im Handy ein, damit Messenger nach einer vereinbarten Uhrzeit einfach nicht mehr aufgehen. Vereinbart die Uhrzeit gemeinsam, denn eine Regel, die dein Kind mitbestimmt hat, versucht es nicht zwei Monate lang zu umgehen.
  • Lass einen Chat hoerbar. Familiennachrichten sollten durchkommen, damit niemand zwischen einem ruhigen Handy und Erreichbarkeit waehlen muss. Mehr zu dieser Balance steht in erreichbar ohne Smartphone.

Am besten funktioniert bei uns nicht der Satz du bist nicht vertrauenswuerdig, sondern: Niemand sollte siebenundzwanzig Menschen haben, die in seinem Schlafzimmer Geraeusche machen koennen. So gesagt stimmen die meisten Kinder zu, denn sie sind auch muede.

Wann du eingreifst, und wann du dich zurueckhaeltst

Hier liegen Eltern in beide Richtungen daneben, und ich selbst habe es im selben Halbjahr in beide Richtungen falsch gemacht. Greif bei allem ein, und dein Kind erzaehlt dir nichts mehr. Greif bei nichts ein, und etwas Echtes geht unter.

Meine Faustregel: Normale Unhoeflichkeit ist ein Moment zum Begleiten, alles Wiederholte, Gezielte oder Ernste ist Sache der Erwachsenen. Ein spitzer Kommentar zwischen Freunden, die sich am Donnerstag wieder vertragen, ist kein Fall. Dasselbe Kind jede Woche als Zielscheibe schon.

  • Greif ein, wenn sich etwas ueber Tage oder Wochen wiederholt, wenn es gezielt ein Kind trifft, wenn Bilder eines Kindes im Spiel sind, wenn es irgendeine Drohung gibt oder wenn dein Kind Angst hat statt nur genervt zu sein.
  • Begleite stattdessen, wenn es um einen einmaligen Streit geht, um Missverstaendnisse durch fehlenden Tonfall oder um die ganz normale Reibung eines Schuljahres. Frag, was dein Kind denkt, und hilf ihm, selbst zu antworten.
  • Der richtige Weg nach oben fuehrt zuerst zu einem ruhigen Gespraech mit den anderen Eltern, dann zur Klassenleitung oder Schulsozialarbeit. Bei Bildern von Kindern oder Drohungen gehoert es direkt zur Schule und gegebenenfalls zur Polizei, ohne Umweg ueber den Chat.
  • Was du nie tun solltest: selbst im Klassenchat deines Kindes posten oder ein anderes Kind direkt anschreiben. Das beschaemt dein Kind und macht aus einem Kinderproblem ein Erwachsenendrama.

Und die wichtigste Vereinbarung von allen: Sag deinem Kind laut, dass es dir alles zeigen kann, ohne dass das Handy automatisch weg ist. Die Angst vor dem Handyverlust ist der Hauptgrund, warum Kinder schweigen. Wenn du dazu eine Grundhaltung fuer die ganze Familie suchst, sind die Datenschutzregeln fuer Familien in einem Satz ein guter Anfang.

Wo Standortteilen und Familienchats hingehoeren

Viele Familien haben neben dem Klassenchat einen eigenen Familienchat, und das ist gut so. Er ist der Ort, an dem dein Kind das ruhige Gegenmodell erlebt: wenige Menschen, freundlicher Ton, niemand fuehrt Buch. Wie das ueber drei Generationen gut funktioniert, steht in Familien Gruppenchat ueber drei Generationen.

Standortteilen hat mit dem Klassenchat nichts zu tun und sollte auch nicht darin landen. Eine Regel, die ich meinen Kindern mitgegeben habe: Der eigene Standort wird nie in einem Gruppenchat geteilt, nur mit der Familie, und nur in einer App, die dafuer gebaut ist und in der ihr gegenseitig seht, wer was sieht. Be Closer ist kostenlos, gibt es in 13 Sprachen und steht bei 4,4 Sternen aus mehr als 150.000 Bewertungen im App Store und bei Google Play. Aber keine App ersetzt das Gespraech auf dem Sofa, und genau darum ging es in diesem Artikel.

Die Fragen,

Portrait of Marta Osei, who writes the Kids & Teens guides for Be Closer
Marta Osei
Kids & Teens

Marta writes our Kids & Teens guides. Mother of two, professional over-preparer, firm believer that independence is a skill you practice, together first, then alone. She has road-tested every checklist in her own hallway at 7:40am.

Our guides are written by Be Closer's editorial voices and reviewed by the team behind the app. Questions? support@becloser.com

Bereit?

Bring deine Familie heute näher zusammen.

Kostenloser Download. Deinen Kreis richtest du in unter einer Minute ein. Die Karte sieht nur, wen du dazu einlädst.