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Alle RatgeberEine kalt gewordene Tasse Tee neben einem Handy auf einem Kuechentisch im MorgenlichtAging Parents

Wenn ein Elternteil nicht ans Telefon geht: ein ruhiger Plan

Portrait of Priya Nair, who writes about aging parents, pets and family life for Be CloserPriya Nair 10 Min. Lesezeit

Gib dem ersten unbeantworteten Anruf ein Zeitfenster von fuenfzehn bis dreissig Minuten und probiere einen zweiten Kanal, bevor du irgendetwas annimmst, denn die harmlose Erklaerung stimmt fast immer. Wenn der zweite und dritte Versuch scheitern, geht es zur Schluesselperson oder zur Nachbarin, die persoenlich nachsehen kann. Ruf den Notruf, wenn es einen konkreten Anhaltspunkt gibt, dass jemand verletzt ist. Vereinbart die ganze Leiter vorher gemeinsam, damit um sieben Uhr morgens niemand improvisieren muss.

Meine Tante bewahrt ihr Handy in einer kleinen Schale neben der Wohnungstuer auf. Das ist ein vernuenftiger Ort und ungefaehr zwoelf Meter von dem Garten entfernt, in dem sie einen grossen Teil des Vormittags verbringt. Ich habe dieses Telefon oefter klingeln gehoert, ohne dass jemand abgenommen hat, als ich zaehlen kann. Der vernuenftige Teil meines Kopfes weiss genau, wo sie ist und was sie gerade tut.

Der vernuenftige Teil meldet sich aber nicht, wenn das Klingeln aufhoert. Es meldet sich der Magen, und der Magen hat nur eine einzige Idee, und die heisst nicht Garten. Wer Eltern aus der Ferne begleitet, kennt diese zehn Minuten: der zweite Anruf, das Auf und Ab in der Kueche, das Kopfrechnen ueber die Fahrzeit, dazu das Gefuehl, wegen eines verpassten Anrufs voellig ueberzogen zu reagieren.

Die Loesung besteht nicht darin, weniger zu fuehlen. Die Loesung besteht darin, vorher entschieden zu haben, was nach fuenfzehn Minuten passiert, was nach einer Stunde und was nach drei Stunden. Genau darum geht es hier, und darum, wie du dieses Gespraech mit deinen Eltern fuehrst, bevor du es brauchst.

Die ersten zehn Minuten sind fast immer nichts

Es hilft, sich ehrlich vor Augen zu fuehren, wie oft ein unbeantworteter Anruf nichts bedeutet. Das Handy liegt in der Jacke im Flur. Der Klingelton steht seit einem Update auf lautlos. Der Staubsauger laeuft. Der Akku ist leer, weil das Kabel seit gestern nicht richtig steckt. Jemand ist beim Baecker, beim Arzt, in der Kirche oder einfach unter der Dusche.

Deine Aufgabe in den ersten zehn Minuten ist nicht Handeln, sondern Nichthandeln mit Plan. Ohne Plan wird aus Nichthandeln naemlich Grubeln, und aus Gruebeln werden neun Anrufe in acht Minuten, die niemandem helfen und die dir die Nerven nehmen, die du spaeter brauchst.

  • Das Handy ist im anderen Raum. Der haeufigste Grund, mit Abstand.
  • Der Ton ist aus. Nach Updates, nach Arztbesuchen, nach dem Gottesdienst.
  • Der Akku ist leer. Besonders bei Geraeten, die ueber Nacht nicht richtig geladen haben.
  • Die Person ist unterwegs. Einkauf, Spaziergang, Termin, Besuch bei einer Freundin.
  • Sie sieht den Anruf und ruft spaeter zurueck. Weil sie gerade beide Haende voll hat.

Aus dieser Liste folgt eine schlichte Regel. Vereinbart ein Wartefenster von fuenfzehn bis dreissig Minuten fuer den ersten Anruf, und zwar bevor irgendetwas passiert. Das Fenster ist kein Zeichen von Gleichgueltigkeit. Es ist der Unterschied zwischen einer Familie, die ruhig eskaliert, und einer Familie, die jeden Dienstag einmal in Panik geraet.

Die Eskalationsleiter, Sprosse fuer Sprosse

Eine Leiter funktioniert, weil sie dir in einem Moment, in dem du schlecht denken kannst, das Denken abnimmt. Du musst dich nicht fragen, ob du uebertreibst. Du siehst nach, auf welcher Sprosse du stehst, machst den naechsten Schritt und hoerst auf, dich selbst zu bewerten.

  1. 1Anruf eins, dann warten. Fuenfzehn bis dreissig Minuten. In dieser Zeit machst du bewusst etwas anderes.
  2. 2Anruf zwei, anderer Kanal. Festnetz statt Handy, oder Nachricht statt Anruf. Viele aeltere Menschen hoeren das Festnetz besser als das Handy.
  3. 3Ein Blick auf die Karte oder in den Chat. Bewegt sich etwas, gibt es heute schon ein Lebenszeichen.
  4. 4Ein Mensch aus dem Umfeld. Nachbarin, Freundin aus dem Chor, Hausmeisterin. Jemand, der ohne Aufwand hinschauen kann.
  5. 5Die Schluesselperson. Jemand mit Schluessel faehrt hin oder geht rueber.
  6. 6Der Notruf. Wenn es einen konkreten Grund gibt, an eine Verletzung zu denken, oder wenn niemand hinkommt.

Zwischen den Sprossen gehoert Zeit, aber weniger, als du denkst. Zwischen eins und zwei liegen fuenfzehn bis dreissig Minuten, zwischen zwei und vier reichen weitere zwanzig, und ab Sprosse vier geht es zuegig weiter. Die Leiter darf schnell sein, sie darf nur nicht bei Sprosse eins anfangen und sofort bei sechs landen.

Was auf einen Zettel am Kuehlschrank gehoert

  • Die Wartezeit fuer den ersten Anruf. Eine Zahl, auf die sich alle geeinigt haben.
  • Der zweite Kanal. Festnetz, Nachbarin, Hausnotruf oder Familienchat.
  • Zwei Namen mit Nummern. Die Schluesselperson und eine Ersatzperson.
  • Die Adresse mit Etage und Klingelschild. Genau so, wie du sie am Telefon vorlesen wuerdest.

Wenn ihr sowieso gerade dabei seid, Absprachen zu treffen, passen taegliche Melderituale ohne Kontrolle gut dazu. Ein leises tagliches Signal senkt die Zahl der Momente, in denen ein einzelner nicht abgenommener Anruf ueberhaupt Gewicht bekommt.

Nachbarn und Schluesselpersonen sind die Sprosse, die wirklich hilft

Die meisten Familien bauen ihre Notfallplaene um Behoerden und Rettungsdienste herum und vergessen die eine Person, die in vier Minuten oben ist. Eine Nachbarin, die eine Wohnungstuer erreichen kann, loest mehr Situationen als jede Technik, und sie tut es leiser.

Die Bitte ist auch nicht so gross, wie sie sich anfuehlt. Du fragst nicht nach Pflege. Du fragst darum, dass jemand im seltenen Fall klingelt und zurueckschreibt, ob Licht brennt und ob jemand aufmacht. Die meisten Nachbarn sagen sofort ja, und viele sind erleichtert, dass jemand die Frage endlich gestellt hat.

  1. 1Frag persoenlich, nicht per Zettel. Zwei Minuten an der Tuer reichen.
  2. 2Sag genau, worum es geht. Klingeln, hoeren, zurueckmelden. Mehr nicht.
  3. 3Tauscht Nummern in beide Richtungen. Auch sie darf dich anrufen, wenn ihr etwas auffaellt.
  4. 4Klaert die Schluesselfrage getrennt. Ein Schluessel ist eine eigene Entscheidung und braucht die Zustimmung deiner Eltern.
  5. 5Sag danke, sichtbar. Ein kurzer Anruf nach dem Ereignis haelt so eine Absprache am Leben.
Der beste Notfallplan besteht meistens aus einer Person zwei Tueren weiter und einer Telefonnummer, die du nicht suchen musst.

Bei den Schluesseln lohnt es sich, klein zu bleiben. Zwei Menschen mit Schluessel sind besser als sieben, und beide sollten wissen, dass der andere existiert. Wer allein lebt, findet in Sicherheits-Setup fuer alleinlebende Eltern die weiteren Bausteine, von der Tuer bis zur Beleuchtung.

Bring deine Familie heute näher zusammen.

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Wann der Notruf dran ist, und was du dann sagst

Die Angst vor dem Notruf ist fast immer die Angst, sich zu blamieren. Sie kostet Familien Zeit, und die Zeit ist der einzige Teil dieser Situation, der wirklich zaehlt. Wenn es einen konkreten Grund gibt, an eine Verletzung oder einen medizinischen Notfall zu denken, waehl 112, und zwar ohne Vorrede.

  • Ein abgebrochener Anruf, bei dem etwas nicht gestimmt hat.
  • Ein Sturz in der Vorgeschichte, dazu heute keinerlei Lebenszeichen.
  • Ein bekanntes Herz- oder Kreislaufproblem und mehrere Stunden Stille.
  • Eine offene Tuer, brennendes Licht am Tag, ein laufendes Radio und niemand, der oeffnet.
  • Niemand kann hinfahren und der uebliche Tagesablauf ist deutlich gebrochen.

Am Telefon hilft eine Reihenfolge. Adresse mit Etage und Name am Klingelschild zuerst, dann in einem Satz, was du weisst und seit wann, danach das Alter und die wichtigsten Erkrankungen, zuletzt, wie die Tuer aufgeht und wer einen Schluessel hat. Diese vier Punkte gehoeren auf denselben Zettel wie die Leiter, weil du sie im Ernstfall nicht frei formulieren willst.

Wenn das Thema Sturz euch ohnehin begleitet, ist nach einem Sturz wieder sicher werden die ruhigere Fortsetzung dieses Gespraechs, denn dort geht es um die Wochen danach und nicht um die zehn Minuten davor.

Den Plan gemeinsam bauen, bevor ihr ihn braucht

Der heikelste Teil ist nicht die Leiter, sondern das Gespraech. Viele Eltern hoeren in solchen Vorschlaegen den Satz, dass man ihnen nicht mehr zutraut, allein zu leben. Deshalb faengt das Gespraech nicht bei ihnen an, sondern bei dir. Du erzaehlst von den zehn Minuten, von dem Magen, von dem laecherlichen Gefuehl, den Autoschluessel schon in der Hand zu haben.

Danach fragst du nach ihrer Version. Was waere ihnen lieber, angerufen zu werden oder eine Nachricht zu bekommen. Wen wuerden sie selbst als Schluesselperson waehlen. Ein Plan, den sie mit ausgesucht haben, ist ihr Plan, und ihren eigenen Plan sabotiert kaum jemand.

Vier Fragen fuer dieses Gespraech

  • Wie lange soll ich warten, bevor ich es nochmal versuche?
  • Wen darf ich anrufen, wenn du nicht drangehst?
  • Wer soll einen Schluessel haben, und wo liegt der zweite?
  • Woran wuerdest du merken wollen, dass ich mir Sorgen mache?

Technik gehoert ans Ende dieses Gespraechs und nicht an den Anfang. Wenn ihr Standort teilt, dann in beide Richtungen und mit demselben Blick auf die Mitgliederliste, damit niemand beobachtet wird, ohne es zu wissen. Be Closer ist kostenlos zum Herunterladen, gibt es in 13 Sprachen und kommt auf 4,4 Sterne aus mehr als 150.000 Bewertungen im App Store und bei Google Play bei ueber 10M Downloads. Fuer die Einrichtung mit aelteren Angehoerigen ist Standort teilen mit Oma und Opa einrichten der praktischere Startpunkt.

Und dann kommt der Tag, an dem das Telefon wieder ins Leere klingelt. Du wartest zwanzig Minuten, probierst das Festnetz, siehst nichts, schreibst der Nachbarin, und zwoelf Minuten spaeter kommt ein Foto von deiner Mutter im Garten mit einer Gartenschere und einem leicht genervten Gesichtsausdruck. Genau dafuer ist die Leiter da. Nicht fuer die Katastrophe, sondern damit die neunhundert harmlosen Male harmlos bleiben.

Die Fragen,

Portrait of Priya Nair, who writes about aging parents, pets and family life for Be Closer
Priya Nair
Aging Parents, Pets & Family Life

Priya writes about the family members we care for at every age, parents living alone, dogs that bolt at squirrels, and the quiet worry in between. She writes the way she checks in: gently, and always dignity first.

Our guides are written by Be Closer's editorial voices and reviewed by the team behind the app. Questions? support@becloser.com

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