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Alle RatgeberEine erwachsene Tochter sitzt neben ihrem Vater auf dem Sofa, beide schauen gemeinsam auf ein Handydisplay und sprechenAging Parents

Telefonbetrug und ältere Eltern: schützen, ohne Angst zu machen

Portrait of Priya Nair, who writes about aging parents, pets and family life for Be CloserPriya Nair 9 Min. Lesezeit

Betrugsanrufe und -nachrichten wirken über Dringlichkeit und Emotion, nicht über Dummheit, also braucht es eine Regel, die auch ohne Einschätzung der Lage funktioniert: auflegen, dann die Person oder Firma über eine schon vorhandene Nummer zurückrufen. Vereinbart ein Familiencodewort für echte Notfälle, übt das Skript freundlich gemeinsam, und macht vorher klar, dass niemand mit Scham reagiert, falls doch einmal etwas passiert. Auch regelmäßiger Kontakt zählt, denn Betrüger setzen auf Isolation, und ein kurzer Anruf bei der Familie durchbricht den Trick.

Der Anruf, auf den mein Vater fast hereingefallen wäre, kam an einem Donnerstag um zehn nach vier, eine ganz gewöhnliche Uhrzeit. Ein höflicher junger Mann sagte, es gebe ein Problem mit einer Zahlung, und er war so vernünftig und entschuldigte sich so freundlich für die Umstände, dass mein Vater schon halb bei der Schublade mit den Karten war, bevor er innehielt, nicht weil ihm etwas verdächtig vorkam, sondern weil der Wasserkocher klickte.

Er erzählte mir davon am Abend mit der besonderen Verlegenheit eines Mannes, der vierzig Jahre lang anderen Vorsicht gepredigt hat. Und was mich beeindruckte: Sein Verstand hatte ihn nicht im Stich gelassen. Er war höflich, hilfsbereit und in Eile, drei ganz gewöhnliche menschliche Zustände, auf die ein Betrugsskript gezielt ausgelegt ist.

Dieser Ratgeber ist also kein Vortrag zum Weiterreichen an die Eltern. Es ist ein Plan für die ganze Familie, aufgebaut auf der Annahme, dass jeder an einem schlechten Nachmittag hereinfallen kann, auch du. Die Teile, die funktionieren, sind einfach, geübt und vorher abgesprochen.

Warum das bei älteren Menschen wirkt, und warum es nichts mit Leichtgläubigkeit zu tun hat

Es lohnt sich, den Mechanismus zu verstehen, denn eine Familie, die ihn versteht, behandelt das Thema als Konstruktionsfehler und nicht als Charakterschwäche.

  • Höflichkeit wird ausgenutzt. Wer zu Höflichkeit erzogen wurde, findet es wirklich schwer, mitten im Satz aufzulegen. Skripte sind genau darauf zugeschnitten.
  • Zuhause erreichbar zu sein erhöht die Trefferzahl. Wer nachmittags meist da ist, bekommt schlicht mehr Anrufe als jemand, der bei der Arbeit ist, und die reine Menge erhöht die Chancen der Betrüger.
  • Technische Gewohnheiten sind unbekannt. Zu wissen, dass eine Bank nie nach der vollständigen PIN oder TAN fragt, oder dass eine Rufnummer gefälscht sein kann, ist gelerntes Wissen, kein selbstverständliches.
  • Isolation nimmt die zweite Meinung. Fast jeder Betrug fällt in dem Moment zusammen, in dem die Zielperson sagt: "Ich frage kurz meine Tochter." Deshalb drängt das Skript auf Geheimhaltung und Tempo.
  • Dringlichkeit schaltet das Urteilsvermögen ab. Unter Druck wird jeder schlechter darin, Widersprüche zu bemerken. Das ist kein Alterseffekt. Das ist menschlich.

Sprich das alles offen mit dem Elternteil aus. Es als Technik zu benennen, die bei jedem funktioniert, statt als besonderes Risiko einer bestimmten Person, macht den Rest des Gesprächs erst möglich. Scham blockiert, und wer sich beurteilt fühlt, ruft beim nächsten Mal nicht an, wenn etwas schiefgeht.

Betrug ist kein Intelligenztest. Es ist ein Hinterhalt, der auf Höflichkeit, Eile und Liebe zielt.

Die typischen Muster dieser Anrufe

Die Details ändern sich ständig, weshalb sich eine Liste aktueller Maschen als Strategie kaum lohnt. Das Muster zu erkennen ist deutlich langlebiger, weil die zugrunde liegenden Tricks gleich bleiben.

Dringlichkeit ums Geld

Es gebe ein Problem mit einem Konto, einer Zahlung, einer Steuerangelegenheit, und es müsse sofort geklärt werden. Echte Institutionen arbeiten normalerweise nicht mit dieser Uhr, und keine hat etwas dagegen, aufzulegen und zurückzurufen.

Der sogenannte Enkeltrick

Ein Anruf oder eine Nachricht von einem Verwandten in Not, oft mit einer plausiblen Erklärung für eine fremde Nummer: verlorenes Handy, kaputter Bildschirm, im Ausland. In Deutschland und Österreich ist das unter dem Namen Enkeltrick bekannt, und es ist besonders grausam, weil es auf Liebe statt auf Angst zielt, und Liebe hält nicht inne, um nachzuprüfen.

Gewinne und Rückerstattungen

Angeblich ist etwas Gutes passiert, und um es zu erhalten, müssen ein paar Daten bestätigt oder eine kleine Gebühr bezahlt werden. Die angenehme Variante desselben Drucks, und gerade deshalb leichter zu übersehen, weil sie sich nicht bedrohlich anfühlt.

Falscher technischer Support

Ein Anrufer behauptet, Computer oder Internet hätten ein Problem, und bittet darum, sich aufschalten zu dürfen oder durch Einstellungen geführt zu werden. Niemand Seriöses ruft unaufgefordert wegen eines Geräts an, das er nicht sehen kann.

Unter all diesen Varianten stecken nur drei echte Signale: Druck zum sofortigen Handeln, die Bitte um Geheimhaltung oder Alleingang, und ein ungewöhnlicher Zahlungs- oder Bestätigungsweg. Diese drei sollten sitzen, kein Katalog von Einzelfällen.

Die eine Regel, die sich zu üben lohnt: auflegen und mich zuerst anrufen

Lange Checklisten versagen im Moment, weil der Moment stressig ist. Was Stress übersteht, ist ein einziger Satz, den ein Elternteil nutzen kann, ohne erst beurteilen zu müssen, ob der Anruf echt ist.

Die Familienregel, klar formuliert

  • Wird nach Geld, Kartendaten oder Codes gefragt, wird aufgelegt. Keine Ausnahme, auch nicht bei Anrufern, die offiziell oder aufgebracht klingen.
  • Zurückgerufen wird über eine schon vorhandene Nummer. Von der Bankkarte, einem Kontoauszug oder den eigenen Kontakten, niemals über eine Nummer, die der Anrufer selbst nennt.
  • Geht es um Familie, wird zuerst ein Familienmitglied angerufen. Ein Anruf bei mir, bevor irgendetwas anderes passiert.
  • Ein Code, der per SMS kommt, wird nie weitergegeben. Keine echte Institution braucht ihn vorgelesen.
  • Niemand muss zu Fremden am Telefon höflich sein. Auflegen ist erlaubt und es ist nicht unhöflich.

Schreibt es groß und deutlich auf eine Karte neben das Telefon. Das klingt fast zu einfach, und es ist das mit Abstand wirksamste Element dieses Ratgebers, denn im entscheidenden Moment muss niemand klug sein. Es reicht, zu lesen.

Übt es dann sanft und mit Humor. Sagt, ihr spielt zwei Minuten lang den aufdringlichen Anrufer, damit geübt werden kann aufzulegen. Es einmal laut durchzuspielen macht aus einem Ratschlag eine körperliche Gewohnheit, und das Lachen dabei gehört dazu.

Ein Codewort für echte Notfälle

Der Enkeltrick ist der, der mir am meisten Sorgen macht, weil er genau den Instinkt anzielt, den wir bei unseren Eltern erhalten wollen. Die Antwort ist nicht, sie misstrauisch gegenüber echten Enkelkindern zu machen. Es ist, den echten eine Möglichkeit zu geben, sich zu beweisen.

  1. 1Wählt gemeinsam ein Wort, das der Familie etwas bedeutet und sonst niemandem. Kein Haustiername, keine frühere Wohnstraße, nichts, was jemals online stand.
  2. 2Vereinbart, wofür es gilt. Jede Nachricht oder jeder Anruf mit Bitte um Geld oder dringende Hilfe enthält das Wort, oder es sind nicht wir.
  3. 3Sagt es allen, die es brauchen könnten, auch den Enkelkindern, und haltet den Kreis klein genug, um merkbar zu bleiben.
  4. 4Sprecht es ein paar Mal laut aus, damit es sich im echten Notfall nicht komisch anfühlt.
  5. 5Schreibt es nirgends online auf, auch nicht im Familienchat.
  6. 6Wechselt es, sobald es einmal benutzt oder weitergegeben wurde, so wie man ein Schloss austauscht.

Familien nutzen Codewörter bereits beim Abholen von der Schule, und dieselbe Logik funktioniert über alle Generationen hinweg. Wer die Version für Kinder sucht, findet sie unter Familiencodewort für sicheres Abholen.

Die andere Hälfte davon ist ein gemeinsames Verständnis, wie in der Familie überhaupt kommuniziert wird. Weiß jeder, dass Geld niemals per SMS besprochen wird, ist eine SMS über Geld sofort verdächtig, egal wessen Name darübersteht. Der Familien-Gruppenchat über drei Generationen ist ein guter Ort, um diese Regel laut auszusprechen.

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Praktische Einstellungen, die die Menge reduzieren

Nichts davon ersetzt die Regel, aber weniger durchkommende Anrufe bedeuten weniger Gelegenheiten, an einem müden Tag erwischt zu werden.

  • Anrufschutz oder das Stummschalten unbekannter Nummern einschalten, wenn der Elternteil mit Mailbox vertraut ist. Setzt euch zusammen und prüft, dass Nachrichten danach auch abgehört werden können.
  • Bei der Bundesnetzagentur unerwünschte Werbeanrufe melden, was auf Dauer die Zahl seriöser Werbeanrufe senkt.
  • Bei der Bank nach zusätzlichem Schutz fragen, etwa Rückrufe bei größeren Überweisungen oder einer Vertrauensperson auf dem Konto.
  • Ein kleines Alltagskonto einrichten, getrennt von den Ersparnissen, damit ein einzelner Fehler eine Obergrenze hat.
  • Die Handysoftware aktuell halten, was einen überraschenden Teil der Betrugsversuche per SMS still abfängt.
  • Wichtige Nummern als Kontakte speichern, damit die echte Bank oder Praxis mit Namen angezeigt wird und alles andere von selbst fremd wirkt.

Macht das gemeinsam, auf dem Handy des Elternteils, mit ihm in der Hand. Heimlich geänderte Einstellungen werden rückgängig gemacht oder übel genommen, und der Sinn der ganzen Übung ist, sich mehr im Griff zu fühlen, nicht weniger.

Was nach einem Betrugsanruf oder verlorenem Geld zu tun ist

Manche, die das hier lesen, bereiten sich nicht mehr vor. Etwas ist bereits passiert, und die Familie schwankt zwischen Panik und Vorwürfen. Also, der Reihe nach, und ohne Scham.

  1. 1Sofort die Bank kontaktieren. Schnelligkeit zählt hier mehr als alles andere, und Banken haben eigene Betrugshotlines genau dafür.
  2. 2Weitergegebene Passwörter ändern, und alle ähnlichen dazu, beginnend mit dem E-Mail-Konto, weil E-Mail alles andere aufschließt.
  3. 3Anzeige erstatten, bei der Polizei oder der zuständigen Meldestelle für Internetkriminalität. Das bringt selten das Geld zurück, hilft aber, das Gesamtbild zu erfassen, das solche Maschen irgendwann stoppt.
  4. 4Aufschreiben, was passiert ist, solange es frisch im Gedächtnis ist: Uhrzeiten, Nummern, genannte Namen, der Wortlaut. Bank und Anzeige brauchen das beide.
  5. 5Das Gerät prüfen lassen, falls Fernzugriff gewährt wurde, und Hilfe holen, um alles Installierte zu entfernen.
  6. 6Auf Nachfassversuche achten. Wer einmal erwischt wurde, wird oft erneut kontaktiert, manchmal von jemandem, der anbietet, das verlorene Geld zurückzuholen.

Und dann der Teil, der mehr zählt als alles andere. Lasst euren Vater oder eure Mutter nicht dumm fühlen. Der Reflex zu sagen, wie konntest du das nicht sehen, ist verständlich und richtet echten Schaden an, weil beim nächsten Mal alles allein durchgestanden wird, statt Bescheid zu geben. Sagt stattdessen, dass das professionelle Banden sind, dass es fast auch euch erwischt hätte, und dass ihr froh seid, dass Bescheid gesagt wurde.

Familien, die gut damit umgehen, sind die, in denen es nichts kostet, etwas zu erzählen.

Verbundenheit ist der stille Schutz

Jedes Betrugsskript hat dieselbe Schwachstelle: Es übersteht keine zweite Meinung. Alles, was es leichter und schneller macht, kurz nachzufragen, leistet echte Sicherheitsarbeit, auch wenn es wie ganz normales Familienleben aussieht.

Das bedeutet einen verlässlichen Anrufrhythmus, sodass ein Anruf bei dir normal ist statt ein Ereignis. Es bedeutet einen Gruppenchat, in dem Fragen willkommen sind und niemand dafür aufgezogen wird. Es bedeutet ein Elternteil, das genau weiß, wer von den Kindern donnerstags um vier wahrscheinlich abnimmt.

Ein gemeinsamer Familienkreis spielt dabei eine bescheidene Rolle, und ich will genau sein, wie bescheiden. In einer Familien-App zu sein blockiert keinen Anruf und erkennt keine gefälschte Nachricht. Was sie tut, ist die Familie in beiläufigem Kontakt zu halten, sodass eine kurze Frage sich natürlich anfühlt, und einem älteren Elternteil etwas Rückhalt unterwegs zu geben. Be Closer ist kostenlos zum Download, in 13 Sprachen verfügbar, und hat 4,4 Sterne bei über 150.000 Bewertungen im App Store und bei Google Play, was hier vor allem zählt, weil ein Elternteil eher bei etwas bleibt, das anderen Familien leichtgefallen ist.

Richtet es gemeinsam ein statt für sie, mit ihrer Zustimmung und ihren Einstellungen, und macht es wechselseitig, sodass sie euch auch sehen können. Standort teilen mit Oma und Opa einrichten begleitet dieses Gespräch, und würdevoll helfen statt bevormunden im Alter ist ein guter Realitätscheck, ob aus Unterstützung längst Kontrolle geworden ist.

Mein Vater bewahrt die Karte neben dem Telefon auf. Er hat sie zweimal benutzt, beide Male fröhlich, beide Male hat er es mir danach erzählt wie jemand, der einen guten Fang meldet. So sieht Erfolg aus. Kein Elternteil, das Angst vor dem Telefon hat, sondern eines, das genau weiß, was damit zu tun ist.

Die Fragen,

Portrait of Priya Nair, who writes about aging parents, pets and family life for Be Closer
Priya Nair
Aging Parents, Pets & Family Life

Priya writes about the family members we care for at every age, parents living alone, dogs that bolt at squirrels, and the quiet worry in between. She writes the way she checks in: gently, and always dignity first.

Our guides are written by Be Closer's editorial voices and reviewed by the team behind the app. Questions? support@becloser.com

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